(Letzte Änderung 02.04.2006)
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Motivation
Motivation des Projektes PRECARE: Präventive Erkennung von Herz-Kreislauf-Erkrankungen
Herz-Kreislauf-Erkrankungen (HKE) sind nach den European Guidelines on cardiovascular disease prevention in clinical practice [DeBacker2003] die Hauptursache für 49 % aller Todesfälle in Europa. Bei dieser statistischen Betrachtung sind Koronare Herzkrankheiten (KHK) eingeschlossen. Der Tod von Menschen unter 65 Jahren ist in 30 % der Fälle auf diese Ursache zurückzuführen. Auf die Geschlechter verteilt betraf es einen von acht Männern und eine von 17 Frauen.
Im Jahr 2000 betrug in Europa der Prozentsatz verlorener Lebensjahre durch vorzeitigen Tod, kombiniert mit dem Verlust an Lebenszeit durch Behinderung sowie die Behinderung berechnet als verlorene Lebensjahre je nach Grad der Behinderung 22 % (diese Angabe wird als DALY´s - Disability-adjustedlife-years – berechnet).
In Deutschland beliefen sich im Jahr 2002 die Behandlungskosten für HKE auf 35,4 Mrd. Euro, das entspricht 15.8% der Gesamtkosten für Krankheitsbehandlungen [DStatis2004]. Hinzu kommen Kosten, die nur mittelbar auf HKE zurückzuführen sind. So sind ca. 30% der Schlaganfälle auf Vorhofflimmern zurückzuführen. Besonders betroffen sind Männer und Frauen älter als 65 Jahre. Auf diese Altersklasse entfallen zwischen 60 und 70 Prozent der Behandlungskosten für HKE. Für Männer und Frauen im Alter zwischen 45 und 65 Jahren wurden im Jahr 2002 etwa 20 % (Frauen) bzw. 30 % (Männer) ca. 9 Mrd. Euro der Behandlungskosten für HKE aufgebracht. HKE verursachen damit einen erheblichen Anteil an den Ausgaben im Gesundheitswesen und wirken sich im Bereich der GKV unmittelbar auf die Lohnnebenkosten und in Folge auf die Wettbewerbsfähigkeit der Wirtschaft aus.
Um die Kosten im Gesundheitswesen zu senken und damit auch den Standort Deutschland hinsichtlich seiner Wettbewerbsfähigkeit zu sichern, sind Maßnahmen erforderlich, die präventiv die HKE verhindern oder frühzeitig auftretende Störungen des Herz-Kreislauf-Systems erkennen und therapieren.
Störungen des Herz-Kreislauf-Systems manifestieren sich schon relativ früh. Zu den Auslösern zählen Übergewicht, Rauchen, Bluthochdruck, ein erhöhter Cholesterinspiegel und Diabetes. Als präventive Maßnahmen werden deswegen von der Projektgruppe Prävention der Deutschen Gesellschaft für Kardiologie – Herz- und Kreislaufforschung [Gohlke 2003] Empfehlungen zur Risikointervention ausgesprochen, die als primäre Maßnahmen insbesondere auf eine Verhaltensänderung zielen.
Um diese Primärprävention sinnvoll zu gestalten, wird bislang ein Gesamtrisiko nach dem sog. PROCAM-Algorithmus [PROCAM] oder den Risikocharts der European Society of Cardiology [ESCARDIO] bestimmt. Diese Methodik wurde aus einer umfangreichen statistischen Analyse entwickelt und in die klinische Praxis eingeführt [DeBacker2003]. Sie geht aber allein von statischen Vitalwerten aus, die durch klinische Untersuchungen und Laboranalysen einmalig ermittelt werden. Eine kontinuierliche Beobachtung des Patienten und insbesondere die Verwendung zeitveränderlicher Vitalparametern gewonnen aus biomedizinischen Signalen werden in diese Risikobetrachtung nicht einbezogen.
Bruckenberger [Bruckenberger1999] hat deutlich gemacht, dass die Möglichkeiten der Ferndiagnose, die zentrale Nutzung medizintechnischer Geräte, der Aufbau medizinischer Datenbanken und Informationssysteme die Diagnose der Ärzte und die Wirtschaftlichkeit verbessern werden. Der Einsatz der Telematik im Gesundheitswesen wird bestehende Transparenz-, Koordinierungs-, Integrations- und Vernetzungsprobleme minimieren und die Entscheidungs- und Planungsgrundlagen auf allen Ebenen verbessern. Bruckenberger sieht darin ein hohes Potenzial, die Planung und Steuerung mit Hilfe aktueller krankheitsbezogener Ist-Daten durchzuführen.
In der Studie, die den European Guidelines [DeBacker2003] zugrunde liegt, wurden für präventive Maßnahmen folgende medizinische Prioritäten identifiziert:
1. Patienten mit festgestellter HKE, peripherer arterieller Verschlusskrankheit und zerebrovaskulärer arterieller Krankheit.
2. Asymptomatische Individuen, die ein hohes Risiko bezüglich einer sich entwickelnden atherosklerotischen Krankheit besitzen:
a) Personen, deren Risiko eines Herzinfarktes hochgerechnet für die nächsten 10 Jahre mit einem multiplen Risikofaktor > 20 % (oder gerechnet für ein Alter von 60 Jahren) ist
b) Personen mit einem Einzelrisikofaktor bedingt durch erhöhtes Cholesterin oder erhöhten Blutdruck.
3. Nahe Verwandte von
a) Patienten mit einer frühen Entstehung der HKE
b) asymptomatische Individuen mit einem exponierten hohen Risiko.
Es ist deswegen das Ziel, Personen mit bestehendem Risiko frühzeitig zu detektieren (Screening), die Größe des Risikos zu bestimmen (Prädiktion) und zu therapieren (Prävention). Maßnahmen sind dann zielgerichtet und effizient, wenn sie entsprechend des bestehenden Risikos eingestellt werden können. Um das Risiko erkennen, die richtige Therapieeinstellung bestimmen und den Therapieverlauf steuern zu können, ist eine kontinuierlich Überwachung notwendig. Dabei geht die Beobachtung je nach Risikogruppe von einer Untersuchung und Risikoverfolgung in regelmäßigen Zeitabständen bis hin zur 24/7-Überwachung. Die Prävention wird durch individuelle Beratung (Coaching) der Betroffenen gesichert.

